Limnologie

Forschungsschwerpunkte

Der Forschungsschwerpunkt der AG Limnologie am Zoologischen Institut der Üniversität Kiel liegt auf dem Gebiet der trophischen Interaktionen limnischer Makrozoobenthosarten. Wir untersuchen, wie sich Organismen im Laufe der Evolution an ihre Umwelt adaptiert haben und welche Möglichkeiten jedem einzelnen Individuum offenstehen (phänotypische Plastizität, bestimmte Verhaltensweisen), um im Spannungsfeld zwischen bottom-up (Ressourcen) und top-down (Räuber) – Kontrolle zu überleben, zu wachsen und stabile Populationen zu etablieren. Dazu kombinieren wir Freilandversuche und Laborexperimente, um die Lebenszyklus-Strategien dominierender Taxa, wie z.B. Schnecken, Muscheln, Asseln, Flohkrebse, höherer Krebse oder auch Fische aufzuklären.

Unser Methodeninventar umfaßt:

• Untersuchungen zum Wachstum der Tiere unter kontrollierten Temperatur-, Licht-, Sauerstoffsättigungs- und Futterbedingungen im Labor und in Freilandbecken;

• funktionsmorphologische Untersuchungen der Mundwerkzeuge sowie Untersuchungen des Verdauungstraktes mit Licht-, Rasterelektronen- und konfokalem Laser-Scan-Mikroskop;

• den Einsatz von Radioisotopen und die Analyse stabiler Isotope, um den Weg einzelner Nahrungskomponenten durch das benthische Nahrungsnetz zu verfolgen;

• das Verdauungspotential einzelner Arten mit Hilfe von konventionellen (Ingestions- und Absorptionsraten) und quantitativen biochemischen Methoden (Bestimmung extrazellulärer hydrolytischer Enzyme);

• die Rolle der Mikroorganismen bei der Verdauung und Futternutzung;

• die Zuordnung einzelner Makroinvertebratenarten zu funktionellen Ernährungsgruppen, unter Berücksichtigung von Sonderfällen wir Omnivorie, Koprophagie oder Kannibalismus;

• die Untersuchung und Quantifizierung von Plankton-Benthos – Interaktionen zwischen Fischen, Zooplankton, dekapoden Krebsen und übrigem Makrozoobenthos;

• die Untersuchung der Auswirkung subletaler Konzentrationen von Pestiziden auf Verhalten, Reproduktion und Wachstumsleistung ausgewählter Benthostiere;

 

In Zusammenarbeit mit der AG Populationsgenetik (Prof. Dr. G. Hartl) untersuchen wir den Zusammenhang zwischen genetischer Diversität und Stabilität von Freilandpopulationen bedrohter Arten, wie z.B. des Edelkrebses (Astacus astacus) in Schleswig-Holstein.

Die Ergebnisse unserer Grundlagenforschung lassen sich vielfach direkt im angewandten Bereich umsetzen: Sie tragen zum Schutz gefährdeter Arten (Großmuscheln, Edelkrebse) bei, zeigen die längerfristigen Effekte häufiger Umweltchemikalien auf und etablieren Voraussetzungen und Randbedingungen für nachhaltige, multitrophische Aquakulturverfahren.